Caterer
August 9, 2026 at 7:38:49 PM
STELLUNGNAHME
Also ganz ehrlich: „Abgesprungen und weg“? Bitte was?
Ich bin nicht abgesprungen. Ich habe lediglich eine strategische Neuausrichtung meiner beruflichen Prioritäten vorgenommen. Kurzfristig. Sehr kurzfristig. Um genau zu sein: Heute um 20:47 Uhr.
Außerdem war die Bestellung eh problematisch. Wer bestellt bitte „leckere Stullen“ für eine Demo um 8 Uhr morgens, ohne mir vorher mitzuteilen, ob die Brötchen politisch korrekt geschnitten werden müssen? Linksrum? Rechtsrum? Diagonal als Zeichen des Widerstands? Das wurde nie geklärt. Auch die Frage, ob die Gurkenscheiben in alphabetischer oder chronologischer Reihenfolge aufgelegt werden sollen, blieb unbeantwortet.
Hinzu kommt: Mein Lieferwagen hat plötzlich entschieden, dass er heute lieber in einer anderen Stadt existieren möchte. Konkret in Wuppertal. Er hat mir eine Sprachnachricht geschickt, in der er sagt, er brauche „Raum für persönliche Entwicklung“. Das Auto macht gerade eine Auszeit. Ich respektiere das.
Mein Aufstrich hat sich spontan für eine spirituelle Reise entschieden. Der Käse meditiert seit 3 Uhr nachts im Kühlschrank und lässt sich nicht stören. Die Butter ist in den inneren Frieden gegangen und kommuniziert nur noch über Räucherstäbchen.
Der Schinken hat mir mitteilen lassen, er sei „gerade in einer toxischen Beziehung mit dem Kühlregal“ und könne deshalb nicht arbeiten. Das kann ich leider nicht beeinflussen.
Außerdem habe ich gehört, dass Antifa und Veranstalter jetzt gemeinsam auftreten. Da muss ich natürlich erst mal prüfen, ob meine Stullen ideologisch auf Linie sind. Sicherheit geht vor. Auch bei Wurst. Ich habe bereits ein 47-seitiges Gutachten bei einem unabhängigen Brot-Experten in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse liegen voraussichtlich Ende September vor.
Zusätzlich ist mir aufgefallen, dass der Mond gestern in einer ungünstigen Konstellation stand. Mein Astrologe hat mir ausdrücklich von jeglicher Stullen-Produktion abgeraten, solange Venus rückläufig ist. Wer gegen den Kosmos arbeitet, riskiert matschige Tomaten. Das will doch niemand.
Und ganz nebenbei: Mein Lieblingsmesser hat sich gestern Abend in den Ruhestand verabschiedet. Es sagte wörtlich: „Ich habe genug geschnitten.“ Ich musste es gehen lassen. Emotionale Gründe.
Also: Ich bin nicht weg. Ich bin lediglich in einer erweiterten Phase der Qualitätskontrolle, existenziellen Neuorientierung, kosmischen Abstimmung und messerbedingten Trauerarbeit. Wer das „abspringen“ nennt, hat schlicht keinen Sinn für unternehmerische Flexibilität und spirituelles Unternehmertum.
Bei Rückfragen stehe ich ab nächster Woche Dienstag – oder sobald der Käse seine Meditation beendet hat – für ein klärendes Gespräch zur Verfügung.